Aus der Bundesgeschäftsstelle

„Der Verein hat enorme Expertise erworben“

Der WEISSE RING hat 2015 eine eigene Akademie für Opferhilfe gegründet, die sich um die Ausbildung der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmert. Vier Fragen an Leiterin Birte Peter.

Weiterlesen

Foto: Tobias Großekemper
Warum gibt es die Akademie, und wie kam es zu ihrer Gründung?

Die Aus- und Weiterbildung des WEISSEN RINGS wurde früher ausschließlich für die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gemacht. Auch heute noch bilden wir alle ehrenamtlichen Kräfte für ihre Tätigkeiten im Verein und damit in der Opferhilfe aus. Wir haben eine ziemlich umfassende Grundausbildung, die sich aus vereinsspezifischen Kenntnissen und Fachwissen zusammensetzt, das für die Arbeit im Verein gebraucht wird. Da kommt einiges zusammen: rechtliche Fragen zum Opferentschädigungsgesetz, Opferrechte, pädagogisch-kommunikative Fragen wie zum Beispiel Grundlagen für das Erstgespräch oder Psychotraumatologie oder Psychohygiene. Die jeweilige Ausbildung dauert rund vier Monate.

Den WEISSEN RING gibt es seit über 40 Jahren, allein im Moment sind ja rund 2.900 Menschen ehrenamtlich für und mit uns tätig. Was ich damit sagen will: Über die Jahre hat der Verein in dieser Ausbildung eine enorme Expertise erworben. Diese auch externen Menschen entgeltlich zur Verfügung stellen zu können, war die Ursprungsidee, die zur Gründung der Akademie des WEISSEN RINGS führte. So begann die Geschichte der Akademie, die ja so alt noch nicht ist. Und es ist nicht ganz einfach, es handelt sich um einen langwierigen Prozess, die Konkurrenz ist groß, Aus- und Weiterbildungsangebote gibt es viele – auf diesem Markt müssen wir uns noch einen Namen verschaffen und bekannt werden.

Aktuell dürfte wie in ganz Deutschland die Digitalisierung ein großes Thema sein?

Ja, selbstverständlich. Wir haben im März in der ersten Corona-Phase begonnen, das Grundseminar zu digitalisieren. Das war unabdingbar, weil wir unsere Interessenten verlieren, wenn wir sie nicht zeitnah ausbilden können. Wir können aber nicht auf eine reine Digitalisierung und reines Selbststudium setzen. Eine Präsenz muss weiterhin in irgendeiner Form möglich sein, um zusammenkommen zu können und den Erfahrungsaustausch untereinander zu gewährleisten. Und wenn es, wie geschehen, Online-Seminare, sind.

In der Corona-Phase haben wir versucht, die fehlende Präsenzmöglichkeit über Online-Seminare zu kompensieren. Theoretische Inhalte wird es künftig in einigen Seminaren digital geben, geplant ist aber weiterhin auch eine ein- oder zweitägige Zusammenkunft, um sich kennenzulernen, Fragen zu klären oder in der Gruppe etwas zu erarbeiten. Der Praxisanteil in unseren Schulungen ist sehr hoch und soll es auch bleiben. Wir haben insgesamt rund 120 Dozenten. Da sind Ehrenamtler darunter, Menschen mit einer berufsspezifischen Qualifikation wie zum Beispiel Therapeuten oder Juristen.

Was haben Sie hier selber gelernt?

Sehr viel. Inhaltlich zum Beispiel: Was es für Menschen bedeutet, Opfer zu werden und zu sein. Man macht sich über so etwas in der Regel nur dann Gedanken, wenn man betroffen ist. Oder wenn man beruflich damit zu tun hat. Auch der Umgang mit den Ehrenamtlichen bringt mir viel. Das ist ein anderes Arbeiten, als ich es bei meinem früheren Arbeitgeber, einer Universität, gewohnt war. Herausragend sind auch die großen Veranstaltungen des WEISSEN RINGS, die Bundesvorstandssitzungen oder etwa die Bundesdelegiertenkonferenz.

Was wünschen Sie sich für die Akademie?

Dass es noch mehr gelingt, die Vermittlung der Seminarinhalte moderner zu gestalten. Dass das digitale Lernen ein wichtiges Element bleibt und noch mehr an Bedeutung und Akzeptanz gewinnt. Und natürlich, dass wir mit unseren externen Angeboten auf eine noch größere Resonanz stoßen. Denn sehr viel von dem, was wir hier vermitteln, hilft Menschen im Alltag.

Tobias Großekemper