Missbrauchsvorwürfe: WEISSER RING ruft Außenstellenleiter ab

Dortmund, 22. Februar 2021 – Mit sofortiger Wirkung hat der Landesvorsitzende des WEISSEN RINGS NRW/Westfalen-Lippe, Jörg Bora, den Leiter der Außenstelle Hochsauerlandkreis abberufen. Außerdem hat der Verein Strafanzeige gegen den ehrenamtlichen Mitarbeiter erstattet wegen des Verdachts von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung.

Hintergrund sind Hinweise einer Opferanwältin und einer Beratungsstelle auf ein mutmaßliches schweres Fehlverhalten des Mitarbeiters, die den Verein auf schriftlichem Weg am 10. Februar erreicht haben. Darin wird dem Außenstellenleiter vorgeworfen, sexuelle Handlungen an einem Kriminalitätsopfer vorgenommen zu haben, das er seit Anfang 2018 betreute. Der Geschäftsführende Bundesvorstand des Vereins hat die Hinweise als glaubwürdig bewertet. Da die dem Verein vorgebrachten Vorwürfe potenzielles Täterwissen beinhalten, wird der WEISSE RING aus ermittlungstaktischen Gründen dazu keine weiteren Angaben machen.

Unabhängig von einer strafrechtlichen Bewertung der Vorwürfe durch die Justiz hat der Mitarbeiter aus Sicht des WEISSEN RINGS massiv gegen den Verhaltenskodex des Vereins und gegen die Standards der Opferbetreuung verstoßen. Allein das rechtfertigt bereits die Abberufung.

Der Fall hat eine Vorgeschichte: Bereits Anfang 2019 hatte sich ein von dem Mann betreutes Kriminalitätsopfer beim Opfer-Telefon des WEISSEN RINGS gemeldet und ihm sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Der Mitarbeiter war daraufhin vom Landesvorsitzenden Bora suspendiert worden. Weil die Aussagen des Opfers als widersprüchlich und nicht hinreichend glaubhaft bewertet wurden, der Mitarbeiter die Vorwürfe zudem „völlig haltlos“ nannte, hob Bora die Suspendierung nach wenigen Wochen wieder auf.

Der Landesvorsitzende sagt dazu: „Für den WEISSEN RING, seine vielen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und für mich persönlich bleibt eine tiefe Betroffenheit zurück. Das Vertrauen von Menschen, die sich in einer persönlichen Ausnahmesituation hilfesuchend an uns gewandt haben, ist hier mutmaßlich auf schwerste Weise missbraucht worden. Ich möchte persönlich dafür um Entschuldigung bitten, dass es dem WEISSEN RING, dass es mir nicht gelungen ist, sie hiervor zu bewahren, wenn die Vorwürfe zutreffen. Es ist grundsätzlich unerträglich, wenn Menschen durch ein Verhalten eines Mitarbeiters des WEISSEN RINGS erneut zu Opfern werden. Das schmerzt mich und schmerzt den WEISSEN RING als Organisation unendlich.“ Bora warb gleichzeitig um Vertrauen in die wichtige und wertvolle Arbeit der rund 220 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Landesverband Westfalen-Lippe, die sich in 26 Außenstellen engagiert für die Interessen von Kriminalitätsopfern einsetzen.

Direkt nach Bekanntwerden der Vorfälle hat der WEISSE RING in der Bundesgeschäftsstelle in Mainz eine Taskforce eingerichtet, die sämtliche Opferfälle überprüfen wird, die der frühere Außenstellenleiter betreut hat. Der Verein hat zudem eine Hotline für potenziell betroffene Frauen geschaltet, die Kontakt zum WEISSEN RING aufnehmen möchten. Ansprechpartnerin am Telefon ist Petra Klein, Vorstandsmitglied und Leiterin der Außenstelle Oldenburg in Niedersachsen. Über die Telefonnummer 0151/55164597 kann direkter Kontakt aufgenommen werden.

Die Außenstelle Hochsauerlandkreis ist über das Landesbüro NRW/Westfalen-Lippe in Dortmund unter der Telefonnummer 0231/98194850 oder per E-Mail an nrw-westfalen-lippe@weisser-ring.de zu erreichen.

Der WEISSE RING verspricht größtmögliche Transparenz bei der Aufarbeitung des Geschehens. Auf einer regelmäßig aktualisierten Website veröffentlicht der Verein unter der Überschrift „Missbrauchsvorwürfe gegen einen Außenstellenleiter des WEISSEN RINGS: Fragen und Antworten“ detailliert den aktuellen Kenntnisstand. Die Seite ist bereits online.

Die Website finden Sie unter diesem Link: www.weisser-ring.de/hsk

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